Trägerwerk soziale Dienste

Sächsische Allianz "Arbeit und Behinderung" mit dem Ziel  der Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben

Angelika Raulien - Leipziger Volkszeitung vom 20./21.11.2010

Alle hatte der Kommunalverband Sachsen (KSV) zusammengetrommelt, um sie zum Mitmachen zu bewegen: Vertreter des Landes, der Sächsischen Aufbaubank, der Bundesagentur für Arbeit, der Sozialämter Leipzig Stadt und Land, Verbündete von Firmen. Auch Leipzigs Behindertenbeauftragte und vor allem Verantwortliche von elf Behindertenwerkstätten der Region. Und überdies dem KSV freundschaftlich verbundene Partner wie das Trägerwerk Soziale Dienste und das Leipziger Uni-Institut für Sozialmedizin. Ein Großaufgebot - ein Ziel: Die Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben.
Am 3. Dezember soll dazu eine sächsische Allianz "Arbeit + Behinderung" gegründet werden. Ein neues Projekt in diesem Rahmen in Regie des KSV strebt dazu eine verstärkte Kooperation aller am Arbeitsmarkt beteiligten Akteure an. Möglich wird das alles, weil sich der KSV laut Verbandsdirektor Andreas Werner erstmals in seiner Geschichte auf eine entsprechend ausgelegte Förderung durch den Europäischen Sozialfond stützen kann.
Was jetzt "modellhaft" und "zunächst regional bezogen" passieren soll, hat Reiner Henze vom Verband in Anlehnung an einen TV-Hit mit " ... und täglich grüßt das Murmeltier" überschrieben. "Wir erleben, wie sich bestimmte Dinge in einem festen Muster jeden Tag wiederholen. Bis man mal früh aufsteht - und alles ist anders", sagt er. Und meint: "Unsere Werkstätten haben den gesetzlichen Auftrag, geeignete Menschen auf eine Tätigkeit möglichst im ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten. Das tun die zumeist auch, aber danach geht es für die Betreffenden kaum weiter." Den Sprung ins Arbeitsleben würden derzeit gerade einmal 0,1 Prozent der 15000 Beschäftigten in den 60 sächsischen Werkstätten schaffen. Es sei an der Zeit, diesbezüglich der UN-Konventionen gerecht zu werden und Menschen mit Behinderung auch außerhalb der Werkstätten eine Chance zu geben.
"Jetzt wollen wir versuchen, zunächst aus den Werkstätten der Region zumindest jeweils zwei der Leistungsstarken - sofern sie es natürlich selbst auch möchten - den Weg in die berufliche Perspektive zu ebnen. Das dürften bei den insgesamt 2470 Beschäftigten hier 20 Personen sein", sagt Henze. "Wir wollen die Produktion der Werkstätten nicht gefährden. Aber wir wollen sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ermöglichen."
Henze denkt, dass mit der Umsetzung des Projektes auch eine allgemeine Kostendämpfung einhergehen kann. "Schon, wenn man sich überlegt, dass pro Jahr ein Werkstattarbeitsplatz im Schnitt mit 9000 Förder-Euro, einschließlich Fahrtkosten, gestützt werden muss. Und dass wir es mit einer stetig wachsenden Zahl behinderter Werkstattmitarbeiter zu tun haben. Allein zwischen 2008 und 2009 gab es da einen Zuwachs von 500 Frauen und Männern in Sachsen, was ein Mehr an 4,5 Millionen Euro für besagte Aufwendungen nötig machte."
Beinahe in jeder Werkstatt fänden sie sich, die "Grenzgänger", sprich Menschen, die es mit ein bisschen entsprechendem Beistand und Unterstützung, nicht zuletzt durch den Integrationsfachdienst, durch Ämter- und Behördenregelungen auf kurzem Weg, auch schaffen könnten, wie du und ich täglich in ein Unternehmen zu marschieren und da zu vollbringen, was andere auch schaffen. "Vielfach finden sich solche Leute bereits in den Werkstatt-Außenarbeitsplätzen oder angesiedelt in - leider noch zu wenig bestehenden - integrativen Firmen", sagt Henze, der zudem auf rechtliche Regelungen verweist, wonach jemandem, der sich dann auf dem ersten Arbeitsmarkt doch nicht behaupten kann, die Werkstatttüren erneut offenstehen.
Letztlich gelte es allerdings auch Arbeitgeber zu finden, die mitziehen. Beim KSV hat man offenbar auch die kommunalen Unternehmen im Blick. "Kontakte haben wir unter anderem schon zu LWB und Stadtreinigung", sagt Henze, der Chancen in Bereichen wie Grünflächenpflege, Hausservice, Reinigung, Küche und dergleichen sieht. Auch die Gewerkschaft Verdi, IHK und Handwerkskammer seien zumindest bei der Allianz glücklicherweise bereits im Boot. Selbst im eigenen Zuständigkeitsbereich der Kommunen und sozialen Unternehmen gelte es Ressourcen zu erschließen. "Wir haben ja auch Einrichtungen, wo der eine oder andere Arbeitsplatz vielleicht drin ist - etwa in den Alten-, Pflege- oder Wohnheimen", denkt Henze.
Der Leipziger Modellversuch soll ein Jahr laufen und von Leipzigs Uni-Sozialmedizin wissenschaftlich begleitet werden. "Das ist nicht viel Zeit, es gilt nun wirklich schnell mit allen Partnern in die Gänge zu kommen. Ganz so wie bei ,täglich grüßt das Murmeltier'", appelliert der KSV-Mann.

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